Interview mit testhub zum Thema Qualitätssicherung in der Software-Entwicklung

Jan Wolter, Geschäftsführer von testhub

Jan Wolter, Geschäftsführer von testhub

Berlin, März 2013: Das deutsche Unternehmen testhub (www.testhub.com) mit Sitz in Berlin (zuvor bekannt unter dem Namen „UI-Check“) hat sich auf das Testen von Webanwendungen und Apps via Crowdsourcing spezialisiert. testhub bietet verschiedene Services und Konzepte an, die sich in der Zahl der verschiedenen Tester, in der Gestaltung des Konzepts und der professionellen Betreuung unterscheiden. So bietet sich dem Kunden eine große Entscheidungsfreiheit. Kleine Unternehmen können kostengünstige Tests in Auftrag geben, größere Betriebe, die einen umfangreicheren oder permanenten Test benötigen, können diesen ebenfalls mit testhub realisieren.

Einer der Geschäftsführer von testhub, Jan Wolter, gab crowdtesting.biz ein Interview.

Hallo Jan,

Qualitätssicherung in der Software-Entwicklung ist ein heißes Thema: die Zeit der sog. Bananen-Software (reift beim Kunden) ist vorbei. Hersteller können es sich kaum mehr erlauben, mangelhaft getestete SW-Produkte an den Endkunden auszuliefern und auf dessen Feedback zu hoffen. Angesichts der immer kürzeren Lebenszyklen von und steigenden Erwartungen an SW-Produkten und dem immer härter werdenden Wettbewerb auf dem Markt der Apps und Online-Shops stellt sich die Frage, wie Hersteller dieser Aufgabe und Herausforderung heutzutage gerecht werden können. Wie sehen Sie das?

Wenn man sich sehr schlechte Bewertungen in den App-Stores anschaut, resultieren diese fast ausschließlich aus Fehlern in der Software. Meistens funktioniert die App dann nicht (mehr) unter allen Versionen des Betriebssystems. Das zeigt, wie wichtig es ist fehlerfreie Software auszuliefern, da die Bewertungen für die Auswahl einer App gegenüber einem Konkurrenzprodukt meist entscheidend sind.

Essentiell für fehlerfreie Produkte beim Endkunden ist die richtige Entwicklungs- und Test-Strategie. Der erste Schritt ist es, interne Prozesse zu implementieren, die eine hohe Entwicklungsqualität unterstützen und eine gute Entwicklungskultur zu fördern. „Quick-and-Dirty“ ist langfristig der falsche Weg und fällt einem nach einiger Zeit schnell auf die Füße.

Damit ist es allerdings nicht getan. Jede Software muss auch intensiv getestet werden. Auch dazu müssen intern die passenden Prozesse implementiert und kultiviert werden. Ich bin ein absoluter Befürworter von Test-Driven-Development und automatisierten Tests, um Fehler schnell zu erkennen und zu beheben.

Allerdings darf man sich auch nicht alleine darauf verlassen und in falscher Sicherheit wiegen. Die große Gefahr lauert dort wo nicht automatisiert getestet wird oder getestet werden kann. Eine 100% Abdeckung aller Geräte und Eventualitäten zu erreichen ist unmöglich. Manuelles Testen auf den verschiedensten Geräten ist deshalb Pflicht vor jedem (größeren) Release.

Hier kommen Dienstleister wie wir (testhub.com) ins Spiel, die über den Crowd-Ansatz ohne Fixkosten in kurzer Zeit eine große Anzahl an Testern und Geräten mobilisieren können. Durch die Vielzahl an Testern wird „Betriebsblindheit“ beim Testen vermieden und mehr Geräte abgedeckt.

Welche Vorteile bietet QA im Crowdsourcing-Verfahren für Softwarehersteller hinsichtlich Preis, Leistung und Umsetzungsgeschwindigkeit?

Die Tester werden nach Performance vergütet (umso mehr Bugs umso höher die Vergütung) und sind deshalb angehalten möglichst intensiv zu testen. So können z.B. in 2-3 Tagen 50 Leute auf 50 „echten“ Live-Geräten unter realistischen Bedingungen einen Mobile-App testen. Das wäre in-house im gleichen Umfang überhaupt nicht möglich.

Als Unternehmen spare ich mir Fixkosten, indem ich weniger Personal und Geräte vorhalten muss. Quality Assurance Abteilungen stehen notorisch unter Kosten und Termindruck. Was Qualität nicht sonderlich fördert. Mit Crowdtesting werde ich absolut unabhängig von der internen Resourcenplanung und habe immer die passenden Ressourcen „on-demand“ verfügbar.

Es zeigt sich zudem, dass die große Anzahl an Geräten und Testern mehr Fehler finden, als das im eigenen Unternehmen möglich ist. In Vergleichstests hat unsere Crowd bis jetzt immer mehr Fehler gefunden als die interne Abteilung. Alle gemeldeten Issues müssen zudem unseren Qualitätskriterien entsprechen, damit die Tester vergütet werden.

Wie validiert testhub die von den Crowd-Testern gemeldeten Bugs und Usability-Probleme bevor diese in den abschließenden Report einfließen?

Ein sogenannter Test-Admin validiert zusammen mit unserem testhub Test-Manager die Ergebnisse der Tester. Auf Basis unserer Qualitätskriterien prüfen wir also, ob das Issue gut dokumentiert und reproduzierbar ist. Falls bestimmte Kriterien nicht eingehalten werden, kann der jeweilige Tester bis zum Projektende nachbessern und sich so seine Vergütung sichern.

Gründliche und effiziente Qualitätssicherung mittels Software-Tests erfordert optimierte Prozesse, die alle gemeldeten Bugs, Probleme und Usability-Schwächen vorselektiert und validiert vom Tester zum Entwickler transportieren und dokumentieren. Softwareentwickler arbeiten häufig in Teams mit Bugtracking-Tools wie JIRA, TrackRecord oder Mantis. Wie unterstützt testhub diese Prozesse?

Der erste Schritt ist die gute Dokumentation der Issues, damit jeder Entwickler sofort versteht welches Problem vorliegt und den Fehler auf Basis der bereitgestellten Informationen beheben kann. Wir ermöglichen außerdem Rückfragen an unsere Tester zu stellen, falls etwas doch unklar sein sollte oder weitere Informationen notwendig sind. Wir können zudem alle Issues in externe Systeme exportieren.

Was zeichnet die QA-Methode von testhub aus?

Die Qualität der testhub Tester, Test-Admins und Test-Manager ist das wichtigste Entscheidungskriterium für unsere Kunden. Aus diesem Grund gibt es bei uns verschiedene Schulungs- und Qualifizierungsprozesse. Mit jedem Test wird vermerkt wie viele Bugs ein Tester gefunden hat und wie deren Qualität war. Die besten Tester dürfen sich dann zum Test-Admin weiterbilden lassen, der unsere Test-Manager bei der Qualitätssicherung und Steuerung der Tester unterstützt.

Jan, vielen Dank für das Interview.

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